Montag, 23.02.2026 bis Dienstag, 24.02.2026
im KVJS-Tagungszentrum Gültstein
Gemeinsamer Austausch.
Gemeinsames Lernen.
Gemeinsame Erarbeitung konkreter Lösungen für komplexe Fragestellungen.
Von 23. bis 24. Februar 2026 trafen sich die Jugendamtsleitungen Baden-Württembergs zu der vom Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS) veranstalteten Jahrestagung im KVJS-Tagungszentrum in Herrenberg-Gültstein, um über die aktuelle Situation sowie die Perspektiven der Kinder- und Jugendhilfe zu beraten.
Themen wie die Novellierung des Gesetzes über die Kinder- und Jugendhilfe in Baden-Württemberg (LKJHG), die stationäre Versorgung junger Menschen in Baden-Württemberg, KI im Kinderschutz sowie die ressourcenorientierte Steuerung von Kinder- und Jugendhilfeleistungen bestimmten die Agenda.
Darüber hinaus wurde die neue, digitale Mitglieder-Plattform KVJS.CONNECT vorgestellt, die jetzt ab März schrittweise an den Start geht.
Kristin Schwarz, Verbandsdirektorin des KVJS, eröffnete die Veranstaltung und hieß die Jugendamtsleitungen und Gäste des Kultus- und Sozialministeriums sowie der Kommunalen Landesverbände Willkommen. In ihrem Grußwort hob sie die Bedeutung des gemeinsamen Austausches hervor. Sie forderte die Kinder- und Jugendhilfe auf, zunächst im eigenen Arbeitsbereich konkrete Lösungen für die komplexen Fragestellungen zu erarbeiten, wobei im Gesamtprozess selbstverständlich dann ebenfalls die anderen Systeme (z. B. Eingliederungshilfe / Kinder- und Jugendpsychiatrie) sowie die Politik einen Beitrag zur Lösung der Probleme leisten müssen.
Der Dezernatsleiter des KVJS-Landesjugendamts Gerald Häcker schloss in seiner Begrüßung an die Ausführungen der Verbandsdirektorin an und bedankte sich bei den Jugendamtsleitungen der Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs für das gute Miteinander, den konstruktiven Austausch und die wertvollen Beiträge. Nur gemeinsam sei man in der Lage, Kinderschutz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu verankern sowie die Belange von Kindern und Jugendlichen bezüglich der anstehenden Herausforderungen wirkungsvoll einzubringen.
Einen besonderen Dank richtete Herr Häcker an Frau Schwarz, die zum 31. März 2026 aus ihrem Amt als Verbandsdirektorin des KVJS Baden-Württemberg ausscheidet. Er würdigte sie als zupackende Macherin, die mit Detailtiefe und Fachkompetenz pragmatische, flexible und praxisgerechte Maßnahmen auf den Weg brachte.
Juliane Rath (Leiterin Referat Jugend, Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg), Oliver Feyerabend (Mitarbeiter Referat Jugend, Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg) und Christoph Grünenwald (Leiter Referat Grundsatz und Zentrale Adoptionsstelle, KVJS-Landesjugendamt) referierten zum neuen Kinder- und Jugendhilfegesetz für Baden-Württemberg (LKJHG).
Neben den Gründen für die Gesetzesnovelle sowie den Hintergründen ihrer Entstehung benannte der Vortrag die Ziele des Gesetzes: Stärkung der Rechte junger Menschen und Familien, moderner Kinderschutz, Ombudsstellen für die Jugendhilfe, inklusive Kinder- und Jugendhilfe, klare Regeln für Einrichtungen und Betreuung sowie Rechte der Jugendhilfeausschüsse.
Vor diesem Hintergrund hoben die Referierenden an wesentlichen Gesetzesinhalten unter anderem die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, die Ombudsstellen, die neuen beratenden Mitglieder des Landesjugendhilfeausschusses, die Vereinbarung über die Qualitätsentwicklung in der Kinder- und Jugendhilfe, die Pflegeerlaubnis, den Schutz von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen und sonstigen betreuten Wohnformen sowie die familienähnlichen Betreuungsformen hervor.
Verbandsdirektorin Kristin Schwarz und Dr. Nele Kaltenbacher (Teamkoordination Organisationseinheit Jugendhilfeplanung und -berichterstattung, KVJS-Landesjugendamt) stellten anschließend die neue digitale Mitglieder-Plattform KVJS.CONNECT vor.
Weniger Aufwand im Alltag, mehr Datensicherheit und einfachere Zusammenarbeit – darauf zielt diese neue Plattform des KVJS.
Konkrete Inhalte, die die KVJS-Mitglieder ab 01. März 2026 auf der neuen Plattform finden, sind:
Folgen wird eine schrittweise Erweiterung um weitere Fachverfahren und Services – orientiert an den Bedarfen der Mitglieder.
Benjamin Lachat, Sozialdezernent des Städtetags Baden-Württemberg, berichtete in seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender der Kommission Kinder- und Jugendhilfe Baden-Württemberg von der „AG Rahmenvertrag“ und sprach an die Leistungsträger seinen Dank für die breite Beteiligung aus – nur auf diese Weise könne der Rahmenvertrag als Ganzes weiterentwickelt werden.
Die aus der Sicht der Leistungsträger wesentlichen Eckpunkte für die Weiterentwicklung des Rahmenvertrages sind benannt worden – bisher konnte mit den Leitungserbringern jedoch noch keine Verständigung auf einen gemeinsamen Weg erfolgen.
Dr. Nele Kaltenbacher und Kathrin Kratzer (Mitarbeiterinnen der Organisationseinheit Jugendhilfeplanung und -berichterstattung, KVJS-Landesjugendamt) stellten in ihrem Vortrag die KVJS-Analyse zur Stationären Versorgung von jungen Menschen in Baden-Württemberg vor.
Nach Schilderung von Ausgangssituation und Berichtskonzeption wurden ausgewählte Befunde – konkret die Analyse der Hilfesysteme sowie die Analyse der stationären Situation – näher erläutert. Im Anschluss resümierten die Vortragenden zum einen, dass für Baden-Württemberg nicht von einer flächendeckenden Überlastung der Kinder- und Jugendhilfe im Bereich der stationären Versorgung gesprochen werden kann – die Stadt- und Landkreise sind unterschiedlich betroffen. Zum anderen war Ergebnis der Analyse, dass es in der stationären Kinder- und Jugendhilfe verschiedene Herausforderungen gibt: Am Beispiel Angebotslandschaft sind in gewissen Regionen generell zu wenig Angebote, Passungsprobleme zwischen Einrichtungen und Kind, neue / andere Bedarfe von Kindern / Jugendlichen sowie fehlende Angebote an den Schnittstellen Angebote erkennbar.
Dr. Nele Kaltenbacher und Kathrin Kratzer wiesen am Ende ihres Vortrags auf entsprechende Handlungsanregungen in der stationären Versorgung von jungen Menschen, differenziert nach überörtlicher und örtlicher Ebene, hin.
Zum Thema KI im Kinderschutz referierte Knut Schneider (Leiter Jugendamt, Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald) und legte die Einführung und den Einsatz einer entsprechenden Assistenzsoftware in seinem Amt dar. Am Prozess beteiligt waren bzw. sind die Entwicklungs- sowie Projektteams, welche die Prozessschritte Chatbot mit Expertenwissen, Transkription, Strukturierte Analyse, Management-Dashboard sowie Workflow steuern und begleiten. Ziel ist, durch bedarfsspezifische, modulare Lösungen Fachkräfte zu unterstützen sowie das Kinderschutzverfahren ganzheitlich zu stärken.
Matthias Röder (Leiter Jugendamt, Landkreis Darmstadt-Dieburg) ging in seinem Vortrag auf die Ressourcenorientierte Steuerung von Kinder- und Jugendhilfeleistungen ein. Er merkte an, dass Kritik an der Ressourcennutzung in der Jugendhilfe bereits vor dem Fachkräftemangel geübt wurde und die bisherigen Bruchstellen der Jugendhilfe in der Krise zu „Baustellen“ würden. Um lebensweltorientierte soziale Teilhabe zu fördern und gleichzeitig die Leistungsfähigkeit der Jugendhilfe in Zeiten knapper (auch personeller) Ressourcen zu sichern, müssten Ressourcen optimal genutzt werden (können). Fallübergreifende Ansätze spielten bei dieser Ressourcenorientierung eine bedeutende Rolle: Dies könne die inklusive und pädagogische Qualität der einzelnen Leistungen steigern und gleichzeitig zur Entlastung pädagogischer Fachkräfte beitragen.
Für den ambulanten Bereich hob Matthias Röder unter anderem hervor:
Bezogen auf den stationären Bereich sprach er von:
Im Anschluss an die Vorträge folgten drei Workshops.Dr. Nele Kaltenbacher und Kathrin Kratzer leiteten einen Workshop zum Thema Stationäre Versorgung junger Menschen in Baden-Württemberg. Der Workshop von Matthias Röder (Leiter Jugendamt, Landkreis Darmstadt-Dieburg) griff erneut das Thema Ressourcenorientierte Steuerung von Kinder- und Jugendhilfeleistungen auf. Und Susanne Keppler (Leiterin Jugendamt, Rhein-Neckar-Kreis) sowie Knut Schneider (Leiter Jugendamt, Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald) ermöglichten in ihrem Workshop einen Austausch über Good Practice-Beispiele aus den Jugendämtern.
Seitens des KVJS-Landesjugendamts informierten Gerald Häcker, Michael Riehle (Stellvertretender Dezernatsleiter, Leiter Referat Hilfe zur Erziehung), Christoph Grünenwald (Leiter Referats Grundsatz und Zentrale Adoptionsstelle), Marion Steck (Leiterin Referat Jugendarbeit, Förderprogramme und Landesverteilstelle UMA), Kristin Hermann (Leiterin Referat Kindertageseinrichtungen) sowie Moritz Hillebrecht (Mitarbeiter Organisationseinheit Jugendhilfeplanung und -berichterstattung) über Aktuelles zu weiteren wichtigen Themen der Kinder- und Jugendhilfe:
Sebastian Straßer (Leiter Medizinisch-Pädagogischer Dienst / MPD, KVJS) und Karin Hille (Sonderpädagogin MPD, KVJS) stellten den Medizinisch-Pädagogischen Dienst des KVJS vor: Der MPD unterstützt die Träger der Eingliederungshilfe (EGH) bei ihren Aufgaben, übernimmt stellvertretend bestimmte Aufgaben im Rahmen des SGB XI und leistet fachliche Stellungnahmen. Zudem ist der MPD in Arbeitskreisen und Gremien tätig, publiziert Fachartikel und bietet Fall- sowie Fachberatung an. Fort- und Weiterbildungen gehören ebenfalls zum Spektrum.
Es wurde darüber informiert, dass der Kreis der Beauftragenden seit 2025 ausgeweitet wurde: Der MPD bietet neuerdings die Beauftragung durch die Jugendämter der Landkreise an. Grundsätzlich können alle Bestandteile des Portfolios auch durch die Jugendämter beauftragt werden – von der Bedarfsermittlung bis zu den Beratungsangeboten zu Fachthemen und Einzelfällen. Eine Teilnahme an den Schulungsveranstaltungen rund um ICF, BEI_BW und Bedarfsermittlung ist für Mitarbeitende der Jugendämter ebenfalls möglich.
Die Jahrestagung ermöglichte ein Forum für den von Verbandsdirektorin Kristin Schwarz zu Beginn der Veranstaltung hervorgehobenen, wichtigen Austausch. Vorträge, Workshops und Diskussionsrunden boten sowohl Informationen als auch die Chance, gemeinsam Fragen zu bearbeiten und voneinander zu lernen.
Tenor am Ende der Tagung: Man wolle auch weiterhin einen gemeinsamen Weg bestreiten, um vor dem Hintergrund zukünftiger Herausforderungen den anfangs von Dezernatsleiter Gerald Häcker erwähnten Interessenausgleich für Kinder und Jugendliche zu erzielen.

KVJS- Verbandsdirektorin Kristin Schwarz bei ihrer Begrüßung

Dezernatsleiter Gerald Häcker sowie die Referatsleitungen bzw. Mitarbeitenden Michael Riehle, Christoph Grünenwald, Moritz Hillebrecht, Marion Steck und Kristin Hermann (von rechts) stellen „Aktuelles aus dem KVJS-Landesjugendamt“ vor

KVJS- Verbandsdirektorin Kristin Schwarz und Dr. Nele Kaltenbacher (Koordinatorin der Organisationseinheit Jugendhilfeplanung und -berichterstattung, KVJS-Landesjugendamt) präsentieren die digitale Mitgliederplattform KVJS.CONNECT