Fachtagung Inobhutnahme im Spannungsfeld von Schutz, Recht und Praxis – Impulse zur Weiterentwicklung

Kursnr.
26JP0081
Datum
Do., 16.04.2026,
09:00 - 17:00 Uhr
Dauer
1 Termin
Gebühr
ohne Übernachtung: 160,00 € (inkl. MwSt.)

Inobhutnahmen gehören zu den komplexesten und verantwortungsvollsten Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe. Sie erfordern rechtliche Sicherheit, fachliche Klarheit und sozialpädagogische Handlungskompetenz – häufig unter hohem Zeitdruck und in emotional herausfordernden Situationen. Fehlende Unterbringungsmöglichkeiten und Anschlusshilfen sowie der zunehmende Fachkräftemangel verstärken den Druck für alle Beteiligten zusätzlich. Diese Anforderungen verlangen nach einer fundierten fachlichen Auseinandersetzung und Weiterentwicklung der Praxis.


Der Fachtag greift diese Herausforderungen auf und bietet Impulse zur fachlichen Vertiefung, Reflexion und Weiterentwicklung der Inobhutnahmepraxis. Im Fokus stehen sowohl rechtliche Rahmenbedingungen als auch sozialpädagogische Perspektiven und praxisnahe Fragestellungen.



Am Vormittag erwarten die Teilnehmenden zwei Fachvorträge zur Inobhutnahme:


- Rechtliche Rahmenbedingungen der Inobhutnahme unter Berücksichtigung aktueller Praxisfragen

(Dr. Janna Beckmann, Deutsches Institut für Jugendhilfe und Familienrecht e. V.)

- Inobhutnahmen als sozialpädagogische Tätigkeiten – Anforderungen und Herausforderungen

(Prof. Dr. Franzheld, Universität Erfurt)


Im Anschluss stehen die beiden Referierenden für Rückfragen und einen gemeinsamen fachlichen Austausch zur Verfügung.



Am Nachmittag werden in fünf Fachforen ausgewählte Schwerpunktthemen vertieft und Praxisfragen diskutiert.

Die Fachforen bieten Raum für Austausch, Diskussion und Reflexion.


1. Selbstmelder*innen als Adressat*innen von Schutzmaßnahmen

(Prof. Dr. Franzheld, Universität Erfurt)


2. Inklusive Inobhutnahmen – Erweiterte Perspektiven auf einen diversitätssensiblen Kinderschutz

(Dr. Severine Thomas, Universität Hildesheim)


3. Junge Kinder in stationären Inobhutnahmegruppen

(Ingrid Derek, Fachdienst für Erziehungshilfen; Julie Stelzenmüller, Gruppenleitung Eduard-Pfeiffer-Gruppe – Kleinkindgruppe von 0 - 6 Jahren)


4. Inobhutnahmeerleben von jungen Menschen und Eltern – Impulse für die Fachpraxis

(Corinna Petri, Perspektive gGmbH – Institut für sozialpädagogische Praxisforschung und -entwicklung)


5. Traumasensibles Arbeiten im Kontext Inobhutnahme

(Marion Quitt, Diakonisches Werk Württemberg)



Der gesamte Fachtag wird visuell von einer Graphic Recorderin dokumentiert. Dadurch werden zentrale Inhalte, Diskussionen und Impulse anschaulich festgehalten und nachhaltig sichtbar gemacht.



Hinweise:


Sie haben die Möglichkeit, an zwei der insgesamt fünf Fachforen teilzunehmen. Die detaillierten Beschreibungen der einzelnen Fachforen finden Sie im Tagungsprogramm.


Aufgrund der begrenzten räumlichen Kapazitäten ist eine Vorabauswahl der Teilnehmenden erforderlich. Nach Ihrer Anmeldung zum Fachtag erhalten Sie eine E-Mail mit einem Link, über den Sie Ihre Präferenzen für die Fachforen angeben können. Wir bemühen uns, Ihnen die Teilnahme an dem von Ihnen am höchsten priorisierten Fachforum zu ermöglichen. Für das zweite Fachforum berücksichtigen wir Ihre weiteren Priorisierungen entsprechend der verfügbaren Kapazitäten.

Sie erfahren vor Ort, an welchen Fachforen Sie teilnehmen.


Das Ende der Anmeldefrist ist der 06.04.2026.


Tagungsprogramm

09:00 Uhr        Anreise mit Brezelimbiss

09:30 Uhr        Begrüßung und Einführung in den Fachtag

Michael Riehle, Referatsleiter Hilfe zur Erziehung und Stv. Dezernatsleiter, KVJS-Landesjugendamt

09:40 Uhr        Rechtliche Rahmenbedingungen der Inobhutnahme unter Berücksichtigung aktueller Praxisfragen

Dr. Janna Beckmann, Deutsches Institut für Jugendhilfe und Familienrecht e. V.

10:30 Uhr        Inobhutnahmen als sozialpädagogische Tätigkeiten. Anforderungen und Herausforderungen

Prof. Dr. Tobias Franzheld, Universität Erfurt

11:15 Uhr        Moderierter Austausch zu beiden Fachbeiträgen

12:00 Uhr        Mittagessen

13:00 Uhr        Fachforen: 1. Durchgang

14:15 Uhr        Kaffeepause

14:45 Uhr        Fachforen: 2. Durchgang

16:00 Uhr        Pause

16:15 Uhr        Abschluss und Ausblick im Plenum

17:00 Uhr        Tagungsende




Beschreibung der Fachforen

  1. Selbstmelder*innen als Adressat*innen von Schutzmaßnahmen

Prof. Dr. Franzheld, Universität Erfurt


In diesem Forum werden die Ergebnisse eines Forschungsprojekts vorgestellt, das sich mit Selbstmelder*innen in der Inobhutnahme beschäftigt. Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass der Schritt zur Selbstmeldung, aber auch die anschließende Unterbringung in der Schutzeinrichtung, Jugendliche zu einer Arbeit an der eigenen Biographie auffordern. Es werden aktuelle Befunde aus dem Projekt diskutiert, u.a. die Bedeutung von Techniken einer biographischen "Neutralisierung", die im Projekt als übergreifendes Ergebnis von Biographieanalysen herausgearbeitet wurde.

Gemeinsam soll auch der Frage nachgegangen werden, welche fachlichen Potentiale in der Biographiearbeit mit Jugendlichen in einer vorläufigen Schutzunterbringung liegen können. Das Forum bietet die Gelegenheit für einen Austausch und vertiefte Fachdiskussionen zum vorgestellten Thema.



  1. Inklusive Inobhutnahmen – Erweiterte Perspektiven auf einen diversitätssensiblen Kinderschutz

Dr. Severine Thomas, Universität Hildesheim


Seit 2021 besteht mit der Verabschiedung des Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes auch für Inobhutnahmeverfahren (ION) der Auftrag, geeignete inklusive Angebote bereitzustellen (AGJ 2022). Anfragen zur Unterbringung von jungen Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen aus dem familiären Kontext oder aus Einrichtungen gewinnen somit an Bedeutung. Kommunale Infrastrukturen sind auf die Bedarfslagen dieser jungen Menschen jedoch noch nicht ausreichend ausgerichtet (Rücker 2023). Es stellen sich aber auch für anderen Personengruppen die Frage, wie Inobhutnahmeverfahren inklusiver gestaltet werden können, z. B. im Umgang mit Sprachbarrieren. 

In dem Beitrag werden erweiterte Perspektiven auf inklusive Inobhutnahmeverfahren diskutiert und wie diese von öffentlichen und freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe gemeinsam weiterentwickelt werden können. Es werden mit den Teilnehmenden des Fachforums fachliche Anforderungen und bisherige Leerstellen für eine Inobhutnahme von jungen Menschen mit besonderen Teilhabebeeinträchtigungen erörtert und zusammengetragen.



  1. Junge Kinder in stationären Inobhutnahmegruppen

Ingrid Derek, Fachdienst für Erziehungshilfen

Julie Stelzenmüller, Gruppenleitung Eduard-Pfeiffer-Gruppe – Kleinkindgruppe von

0 - 6 Jahren


Das Fachforum „Junge Kinder in stationären Inobhutnahmegruppen“ beleuchtet, welche grundlegenden emotionalen, sozialen und körperlichen Bedürfnisse Kinder für eine gesunde Entwicklung haben. 
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Kinder verlässliche Beziehungen, emotionale Sicherheit, Stabilität sowie passende Entwicklungs- und Beteiligungsmöglichkeiten in stationären Inobhutnahmegruppen erfahren können. Gemeinsam wird erarbeitet, welche besonderen Belastungen junge Kinder in Krisensituationen erleben und wie sich diese auf ihr Verhalten und ihre Entwicklung auswirken können. Anhand praxisnaher Beispiele wird aufgezeigt, wie Schutz, Struktur und Feinfühligkeit im Alltag der Inobhutnahmegruppe gestaltet werden können. 

Das Fachforum lädt dazu ein, die eigene Haltung zu reflektieren und Ideen für eine entwicklungsfördernde Praxis mitzunehmen.



  1. Inobhutnahmeerleben von jungen Menschen und Eltern – Impulse für die Fachpraxis

Corinna Petri, Perspektive gGmbH – Institut für sozialpädagogische
Praxisforschung und -entwicklung


In diesem Forum werden die Ergebnisse eines explorativen Projekts vorgestellt, das die Erlebensperspektiven von in Obhut genommenen jungen Menschen und deren Eltern untersucht hat. Was machen junge Menschen und Eltern relevant? Welche Faktoren nehmen stärkenden oder belastenden Einfluss auf Bewältigungsprozesse? Wie verarbeiten und deuten junge Menschen und Eltern Erfahrungen, die sie während der Inobhutnahme machen?

Das Forum bietet Raum für eine vertiefte Diskussion der Ergebnisse und ermöglicht den Teilnehmenden, die praktischen Implikationen der Forschungsergebnisse zu erörtern.



  1. Traumasensibles Arbeiten im Kontext Inobhutnahme

Marion Quitt, Diakonisches Werk Württemberg


Kinder, Jugendliche und ihre Familien bringen im Kontext Inobhutnahme oft belastende Erfahrungen mit – sie brauchen Sicherheit, Orientierung und Menschen, die ihre Reaktionen verstehen. In diesem Forum erhalten Fachkräfte einen kompakten Einblick in Grundlagen sowie zentrale Aspekte einer traumapädagogischen Haltung und lernen ausgewählte Methoden kennen.

In einer kurzen Arbeitsphase erhalten sie die Möglichkeit, eine Methode zu vertiefen oder sich mit der Frage zu beschäftigen, ob und wie Inobhutnahme zu einem sicheren Ort werden kann. Im Zentrum steht die Frage, was Fachkräfte in ihrer pädagogischen Arbeit zur Stabilisierung der jungen Menschen und Familien beitragen können.


Kurstermine

Anzahl: 1
Datum

16.04.2026

Uhrzeit

09:00 - 17:00 Uhr

Ort

Akademieweg 11, Ev. Akademie Bad Boll



Zielgruppe

Fach- und Leitungskräfte der Jugendämter, der Einrichtungen der stationären Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe für Minderjährige

Kursort

Ev. Akademie Bad Boll
Akademieweg 11
73087 Bad Boll